Warum gerade Demenz?

Neulich fragte mich eine Schulungsteilnehmerin meines Kurses für Angehörige von Menschen mit Demenz, warum ich mich als junge, vitale und scheinbar glückliche Frau mit so einem „schlimmen“ Thema wie Demenz befasse. Mir war bis dahin gar nicht bewusst, dass es sein kann, das Menschen sich tatsächlich diese Frage über mich stellen.

Gefühlt weiß ich ganz genau, warum ich es tue. Jetzt ist es an der Zeit, es auch in Worte zu kleiden.
Das Thema Demenz ist mir in meinem Beruf als Krankenschwester und auch in meinem Privatleben schon öfter begegnet.
Doch zu diesen Zeitpunkten habe ich die Krankheit nicht mit mir persönlich in Verbindung gebracht. Konnte ich auch nicht, denn erst 2012 stellten sich die Weichen dafür.

Seit 2012 hat sich viel in meinem Leben verändert. War es nicht so, dass 2012 die Welt untergehen sollte. Für mich war 2012 eher das Jahr, in dem ich erkannte, dass ich ganz alleine dafür verantwortlich bin, welchen Platz ich in dieser Welt einnehme. Ich erkannte, dass die beste Investition, die in mich selbst ist und las von nun an Bücher zum Thema Selbstverwirklichung, besuchte Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung, ergänzte meine Nahrung mit natürlichen Vitalstoffen, um körperlich in meine Kraft zu kommen. Ein wunderschöner Transformationsprozess begann.

Nach meinem Studium und mit meinem erfolgreichen Abschluss als Master in Pflegewissenschaften/Pflegemanagement Anfang 2014 standen mir viele Wege offen. Forschung, Management, Bildung. Alles interessierte mich. In den beiden letztgenannte hatte ich auch schon Erfahrung.  Da ich jedoch immer auf der Suche nach Herausforderungen bin, interessierte mich besonders die Forschung. Diese Welt kannte ich noch gar nicht.

So nahm ich eine Stelle beim DZNE Rostock als sozialwissenschaftliche Mitarbeiterin und Sozialmediatorin an. Das DZNE ist eine von der Bundesregierung eingerichtete Forschungseinrichtung mit mehreren Standorten in Deutschland. Ziel ist unter anderem die Erforschung von Demenz.
Mein Thema dort: „Die Belastungen der versorgenden Angehörigen von demenzkranken Menschen.“

Ich wertete Fragebögen aus, führte Interviews mit Angehörigen sowie mit Demenzerkrankten. Ich erstellte Schulungsunterlagen zum Thema Demenz und arbeitete mich in das Krankheitsbild sowie in die Literatur ein.

Eines Tages kam eine Demenzerkrankte (mittleres Stadium) mit ihrem Mann zu uns in die Forschungseinrichtung. Ich redete mit beiden, aber hauptsächlich mit der Erkrankten. Das Gespräch verlief aus meiner Sicht sehr gut und ich dachte nicht weiter darüber nach. Eine Stunde später kam der Mann zu mir ins Büro. Er sagte: „Frau Zarm, ich habe noch keinen Menschen kennengelernt, der so gut mit meiner Frau umgehen konnte, wie Sie. Sie gehen mit einer Menschlichkeit und Leichtigkeit mit ihr um, als würden Sie das schon immer machen. Selten ist meine Frau aus einen Gespräch so entspannt und selbstbewusst herausgegangen. Sie hat sich bei Ihnen als ganz normaler Mensch gefühlt und wurde als gestandene Person behandelt, die sie trotz Erkrankung ja auch ist. Ich bin Ihnen so dankbar.“

An diesem Tag wusste ich, dass ich verstanden hatte, worum es im Umgang mit Demenzerkrankten geht.

Ich begann darüber nachzudenken:

  • warum dieses Thema in mein Leben getreten ist (denn nichts geschieht ohne Sinn),
  • warum mich diese Worte so berührten,
  • was mich dazu veranlasst, demenzkranke Menschen so zu sehen und mit dieser Leichtigkeit mit ihnen umzugehen

Ich kam drauf: An Demenz gefällt mir, dass wir von der Verstandsebene in die Herzebene gehen müssen, um Demenzerkrankte zu erreichen. Das in einer Welt, wo immer alles einen Sinn haben muss und wir alles über den Verstand regeln, während wir Gefühle wegdrücken oder vermeiden. Was sagt uns eine Krankheit, die uns zur Entschleunigung zwingt. Das in einer Leistungsgesellschaft, wo alles schneller, höher, besser sein muss. Ich hatte durch meinen Weg in der Persönlichkeitsentwicklung erkannt, dass dieses schneller, höher besser nicht glücklich macht. Ich will viel lieber öfter inne halten, auch mal still werden und meine Gefühle leben. Einfach raus aus dem Verstand hin zum Herzen. Wenn man sich auf die Welt der Demenz einlässt, dann kann man genau das machen. Mit dem Demenzerkrankten in eine tiefe Herzenskommunikation eintauchen und auf der Gefühlsebene verweilen.

Eine Win-Win- Situation für beide Seiten. Der Demenzerkrankte wird nicht mehr auf die Verstandesebene gezerrt und das Gegenüber hat die Chance, in eine neue Welt einzutauchen.

Ich spürte immer mehr, dass die Forschung nicht mein Weg ist.  Doch was stattdessen tun? Doch lieber Management? oder Bildung?

Beides ist richtig. Als Selbstständige komme ich um ein Management nicht herum und Menschen zum Thema „Kommunikation und Umgang mit Demenzerkrankten“ zu schulen ist Bildung. Forschung kommt aber auch nicht zu kurz. Ich forsche täglich weiter in der Welt der Herz-und Gefühlsebene, denn dort gibt es noch viele unentdeckte Ecken, die von uns gefunden werden wollen.

Willst du mitkommen auf diese Forschungsreise, dann sprich mich an.

Herzliche Grüße von

Katja

 

 

 

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